Die Landschaft der geförderten Vorsorge hat sich 2026 grundlegend verändert: Am 27. März 2026 hat der Bundestag das Altersvorsorgereformgesetz beschlossen – die Riester-Rente wird ab 1. Januar 2027 durch das neue Altersvorsorgedepot ersetzt. Gleichzeitig bleibt der Bausparvertrag als Instrument für Wohneigentum bestehen. Dieser Artikel ordnet die neue Lage ein.
Die große Neuigkeit: Riester wird abgelöst
Was passiert?
Ab 1. Januar 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. An ihre Stelle tritt das Altersvorsorgedepot – ein staatlich gefördertes Depot, in dem Bürger mit Aktien, Fonds und ETFs für das Alter sparen können. Der Bundestag hat das Gesetz am 27. März 2026 mit Stimmen von CDU/CSU und SPD beschlossen. Die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus (voraussichtlich 24. April 2026).
Bestehende Riester-Verträge
Wer bereits einen Riester-Vertrag hat: Keine Panik. Der Vertrag läuft weiter, wird weiter gefördert, es gibt keine automatische Kündigung. Drei Optionen ab 2027:
- Vertrag unverändert behalten (alte Förderung läuft weiter)
- Guthaben ins neue Altersvorsorgedepot übertragen (alle bisherigen Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten, nach 5 Jahren kostenlos)
- Vertrag stilllegen + neues Depot parallel eröffnen
Auf keinen Fall kündigen! Bei Kündigung müssen sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden – das kostet schnell mehrere Tausend Euro.
Das neue Altersvorsorgedepot (ab 2027)
Was ist anders als bei Riester?
Keine Garantiepflicht mehr: Du kannst bis zu 100 % in Aktien-ETFs investieren. Das bisherige Riester-Problem (Garantie fraß Rendite) ist gelöst. Drei Varianten: ohne Garantie, mit 80 %-Garantie, mit 100 %-Garantie – du wählst nach deinem Sicherheitsbedürfnis.
Neue Zulagenstruktur:
- Für jeden gesparten Euro: 50 Cent vom Staat (bis 360 €/Jahr Eigenbeitrag)
- Darüber hinaus: 25 Cent pro Euro (bis 1.800 €/Jahr)
- Maximale Grundzulage: ~540 €/Jahr (statt bisher 175 € bei Riester)
- Kinderzulage: 300 €/Kind/Jahr bereits ab 25 € monatlichem Eigenbeitrag (bei Riester war die volle Kinderzulage an 4 % des Einkommens gekoppelt)
Niedrigere Kosten: Kostendeckel von 1 % Effektivkosten für Standardprodukte. Wer selbst ETFs auswählt: typisch 0,1–0,2 % TER. Ein öffentlicher Träger wird ein eigenes Standarddepot anbieten.
Erstmals für Selbstständige: Alle Selbstständigen und Freiberufler werden förderungsberechtigt – bei Riester waren sie ausgeschlossen.
Nachgelagerte Besteuerung: Wie bei Riester: Ansparphase steuerfrei, Auszahlung im Alter wird versteuert.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Besonders attraktiv für: Familien mit Kindern (300 € Kinderzulage ab 25 €/Monat!), Geringverdiener (50 Cent pro Euro bis 360 €), Selbstständige (erstmals förderberechtigt), junge Sparer mit langem Horizont (100 % ETF möglich).
Verbindung zum Pantoffel-Portfolio: Das Altersvorsorgedepot macht es erstmals möglich, die Pantoffel-Portfolio-Strategie (ein Welt-ETF + Tagesgeld, Details in unserem Pantoffel-Portfolio-Artikel) staatlich gefördert umzusetzen. Ein FTSE All-World ETF im Altersvorsorgedepot mit 50 Cent/Euro Zuschuss → die renditestarke Altersvorsorge, die Riester nie war.
Riester-Rente: Was du 2026 noch wissen musst
Die bisherige Förderung (läuft für Bestandsverträge weiter)
Grundzulage: 175 €/Jahr. Kinderzulage: 300 €/Kind (ab 2008 geboren), 185 €/Kind (vor 2008). Voraussetzung für volle Zulage: 4 % des Vorjahres-Bruttoeinkommens einzahlen (abzgl. Zulagen). Sonderausgabenabzug: Bis 2.100 €/Jahr.
Warum Riester gescheitert ist
Hohe Kosten: Verwaltungs- und Abschlussgebühren fraßen einen erheblichen Teil der Rendite. Klassische Riester-Rentenversicherungen besonders teuer.
Garantiepflicht: Anbieter mussten mindestens die eingezahlten Beiträge garantieren → zwang zu renditearmen Anlagen (Anleihen statt Aktien) → reale Renditen oft nahe Null oder negativ nach Inflation.
Inflexibel: Vorzeitige Kündigung = Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile. Grundsicherungs-Anrechnung neutralisierte Fördereffekte für Geringverdiener.
Empfehlung für Bestandskunden: Vertrag nicht kündigen, Guthaben 2027 ins Altersvorsorgedepot übertragen prüfen (nach 5 Jahren kostenlos). Detaillierte Vergleichsrechnung mit einem Steuerberater oder der Verbraucherzentrale durchführen.
Bausparvertrag 2026: Sinnvoll für Wohneigentum
Wie er funktioniert
Ansparphase (regelmäßige Einzahlungen, Guthabenzins) → Zuteilungsreife (40–50 % der Bausparsumme angespart) → Darlehensoption (zinsgünstiges Darlehen für wohnwirtschaftliche Zwecke). Der Darlehenszins wird bei Vertragsabschluss für die gesamte Laufzeit festgeschrieben – in Zeiten volatiler Zinsen ein echtes Argument.
Zinsumfeld 2026
Guthabenzinsen: 0,1–1,5 % (je nach Tarif) – deutlich schlechter als Tagesgeld (2–3,5 % bei Neukunden 2026). Als reines Sparinstrument ohne Immobilienplan nicht konkurrenzfähig.
Darlehenszins: Bei aktuellen Verträgen oft 1,5–2,5 % – attraktiv im Vergleich zu variablen Marktzinsen. Wer in 5–10 Jahren eine Immobilie plant, sichert sich damit einen fixen Zinssatz für die Zukunft.
Staatliche Förderung
Wohnungsbauprämie: 10 % auf Beiträge bis 700 €/Jahr (Alleinstehende) bzw. 1.400 € (Verheiratete) = max. 70 € bzw. 140 €/Jahr. Einkommensgrenzen beachten.
Arbeitnehmersparzulage: 9 % auf VL (vermögenswirksame Leistungen) bis 470 €/Jahr = max. 42,30 €/Jahr. Oft vom Arbeitgeber bezuschusst – geschenktes Geld, das viele nicht abrufen.
Bauspar-Fehler vermeiden
Bausparsumme zu hoch ansetzen: Abschlussgebühr (1 % der Bausparsumme) wird sofort fällig. Bei 50.000 € Bausparsumme = 500 € Gebühr. Nur so viel abschließen, wie du realistisch brauchst.
Ohne Immobilienplan abschließen: Als reines Sparinstrument ist ein ETF-Sparplan renditetechnisch überlegen (Details im Pantoffel-Portfolio-Artikel).
Vorzeitige Kündigung: Verlust der Prämien + mögliche Gebühren. Mindestlaufzeit 7 Jahre beachten.
Vergleich: Wer gewinnt in welcher Situation?
Familie mit Kindern, Altersvorsorge: → Altersvorsorgedepot (ab 2027). 300 € Kinderzulage ab 25 €/Monat, bis zu 540 € Grundzulage, 100 % ETF möglich. Deutlich besser als die alte Riester-Förderung.
Singles ohne Kinder, Altersvorsorge: → Altersvorsorgedepot (540 € Zulage vs. 175 € bei Riester). Oder: Ungefördeter ETF-Sparplan (Pantoffel-Portfolio) – oft einfacher und flexibler.
Immobilienkauf in 5–15 Jahren: → Bausparvertrag. Gesicherter Darlehenszins, Wohnungsbauprämie, disziplinierter Sparrahmen.
Immobilie + Altersvorsorge: → Kombination aus Bausparvertrag (Wohneigentum) und Altersvorsorgedepot (Rente). Beide Förderungen parallel nutzbar.
Selbstständige: → Altersvorsorgedepot (erstmals förderberechtigt!). Alternative: Rürup-Rente (Basisrente) für den Steuerabzug.
Checkliste: 5 Fragen vor der Entscheidung
- Planst du in absehbarer Zeit Wohneigentum? → Bausparvertrag prüfen
- Hast du Kinder? → Altersvorsorgedepot mit Kinderzulage besonders attraktiv
- Bist du selbstständig? → Altersvorsorgedepot (erstmals förderberechtigt)
- Hast du einen bestehenden Riester-Vertrag? → Nicht kündigen! 2027 Übertragung ins Depot prüfen
- Wie lange kannst du auf das Kapital verzichten? → Bei kurzem Horizont: Tagesgeld/ETF flexibler als Bausparer
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Finanz- oder Steuerberatung. Die Konditionen des Altersvorsorgedepots können sich im Bundesrats-Verfahren noch ändern. Prüfe die aktuelle Gesetzeslage vor Entscheidungen.
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